Die letzten Wochen und Monate gestalteten sich als herausfordernd, was die Vorbereitungen digitaler Lernumgebungen im nun beginnenden Semester anbelangt. Gleichsam eröffnet die digitale Transformation insgesamt für die Wissenschaft und hier insb. bezüglich des Lehreangebots einen „Übergangsraum“, der Chancen und Risiken bereithält.

So haben sich allgemein in den letzten Jahren vermehrt Elemente einer digitalen Lehre immer mehr Ausdruck verschafft: zunächst als flankierende Unterstützung der Präsenzlehre, dann als deren Ergänzung und jüngst als deren zwingender Ersatz. Neben dem, dass ein „Normalbetrieb“ an Universitäten und privaten Hochschulen auf absehbare Zeit nicht realistisch erscheint, bietet die Ausgangslage einerseits praktische Gestaltungsmöglichkeiten und andererseits diskursive Betrachtungsweisen. Beides ist sich zuzumuten!

Als irritierend erlebe ich aktuell, dass digitale Formate nicht als Chance, sondern lediglich als Notlösung wahrgenommen werden und sich ein Szenario der „Polarisierung“ auftut, in dem vielerorts von einem Gegeneinander von physischer Präsenz und digitaler Distanz gesprochen wird (vgl. bspw. den im Sommer veröffentlichten offenen Brief, der von über 2000 Hochschuldozenten unterschrieben wurde https://www.praesenzlehre.com/). Derartige dichotome Spaltungen führen eher dazu abzulenken, als konstruktiv um Lösungen zu ringen. So zeigt die Wissenschaft (eigentlich) höchst selbst, dass sie einen Sprung macht, in dem sie, bzw. wenn Sie Affirmation und Aversion überwindet und in der Relationierung der Perspektiven ihre kognitive Identität ausbildet. Ein Aspekt, welcher mithin auch der Gesellschaft (Stichwort: Corona-Pandemie) und der Politik (Stichwort: Amerika) gut tun könnte. Denn eine krude Rückkehr zu tradierten Präsenzformaten wird es nicht (mehr) geben: Digitale und analoge Formate ergänzen sich und sind vor der Folie von funktionaler Koexistenz zu betrachten. So gesehen gilt es in diesen Kontexten für alle beteiligten Akteure zu lernen, zu agieren und mit den digitalen Wirklichkeiten zukünftig reflexiv umzugehen.

Meine persönliche Lernreise hat mich die letzten Wochen inspiriert und gefordert. Der (eigene, handwerkliche) Umbau meines homeoffice und die Installation einer Konferenzkamera wurde finalisiert, um synchron bspw. das Flipchart zu übertragen. Auch der Einbau einer Desktop-Kamera wurde vorgenommen, um Abbildungen, Textpassagen aus Büchern, aber auch Planspielunterlagen synchron übertragen zu können. Und so hatte ich von Donnerstag 14.00 Uhr bis Samstag 12.00 Uhr für die berufsbegleitend studierenden Berufspädagogen mein erstes digitales Blockseminar via ZOOM. Flankiert wurden und werden derartige Formate durch asynchrone Lernvideos überwiegend auf Basis von Powerpoint (Camtasia, iSpring), welche mit Quizaufgaben zur Vorbereitung (Flipped Classroom), und/oder zur Nachbereitung bis hin zur Prüfungsvorbereitung herangezogen werden können und auf OLAT, Moodle und StudIP – je nach Universität und Hochschule – gehostet werden.

Eines gibt mir Zuversicht: Das Feedback der Studierenden zu dem Arrangement, die allesamt in meinem Alter sind und berufsbegleitend studieren. Diese Koproduktion machten die digitale Lernumgebung zu einem Ort der Begegnung und das Studieren zu einem Akt des Kollektiven, der auch Räume für einen kritischen akademischen Diskurs bereit hielt. Alles fast wie im richtigen Leben (der Universität) …

Eines bleibt zu bedenken: Der Aufwand der Didaktisierung ist enorm und verlangt ein hohes Investment! Die Amortisation der Formate tritt jedoch mit dem Laufe der Zeit ein.

Es bleibt noch viel zu tun…. Vom 09. bis 12. November 2020 begebe ich mich wieder auf eine Lernreise. Es startet die zweite virtuelle LEARNTEC Themenwoche, welche im Modus von virtuellen Sessions im Zeichen der Transformation zur digitalen Hochschule steht. Da gehe ich (zumindest virtuell) hin. https://www.learntec.de/de/learntec/die-fachmesse/themenwochen/